Fachtag „Flucht, Asyl, Integration und Soziale Arbeit in Sachsen (FAISA)“

Die Evangelische Hochschule (ehs) und das Zentrum für Forschung, Weiterbildung und Beratung (ZFWB gGmbH) veranstalteten am 5. Dezember 2015 in Kooperation mit dem Sächsischen Flüchtlingsrat und mit Unterstützung durch das Staatsministerium für Gleichstellung und Integration den Fachtag „Flucht, Asyl, Integration und Soziale Arbeit in Sachsen (FAISA)“.

Dieser Fachtag stieß auf große Resonanz im Freistaat und über dessen Landesgrenzen hinaus. Weit über 200 Teilnehmer_innen informierten sich über aktuelle Entwicklungen in der Betreuung und Begleitung von Geflüchteten und Asylsuchenden in den verschiedenen Regionen Sachsens und tauschten sich über Erfolge und Probleme ihrer Arbeit aus. Im Zentrum standen dabei immer wieder Fragen danach, wie die Qualität der Arbeit gesichert bzw. verbessert werden kann. Neben dem außergewöhnlichen und bis heute anhaltenden Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen sehen doch viele auch die Gefahr der Erschöpfung, des Abbaus von Qualitätsstandards und einer Verschlechterung der Arbeits- und Integrationsbedingungen.

Sozialarbeiter_innen und Sozialbetreuer_innen sind beispielsweise in den Erstaufnahmeeinrichtungen, den Gemeinschaftsunterkünften, bei der Begleitung in medizinischen Einrichtungen für Geflüchtete, in Kindergärten, Schulen, Hochschulen, sowie der Betreuung unbegleitet minderjähriger Flüchtlinge oder im Rahmen der Integration in Ausbildung, Beschäftigung und Arbeit aktiv. Zunehmend stellen sich die Herausforderungen im Bereich der Beschaffung von Wohnraum und der Integration in den sozialen Nahräumen.

Im Rahmen der Fachtagung zeigte Herr Grehl-Schmitt (Caritas Osnabrück) die enge Verzahnung zwischen der Flüchtlingssozialarbeit und dem aktuellen zivilgesellschaftlichem Engagement auf. Er zeigte aber auch, dass das freiwillige Engagement die professionelle Flüchtlingssozialarbeit nicht ersetzen könne. Nach seiner Ansicht befindet sich die Flüchtlingsarbeit in einem Spannungsfeld zwischen eigenem Selbstverständnis von einer nachhaltigen Unterstützung bei der akuten Hilfe und langfristiger Integration sowie einem eher kurzfristig ausgerichteten Krisenmanagement staatlicher und kommunaler Instanzen. Daher käme es darauf an, vor einem Einstieg in die Flüchtlingssozialarbeit „rote Linien“ (was tun wir auf keinen Fall?) und Ziele festzulegen (was können wir mit dem Angebot der Flüchtlingshilfe bewegen/bewirken?), Konfliktlinien zwischen staatlicher Erwartung und Grundsätzen der Sozialen Arbeit zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um das eigene Berufsbild nicht zu unterlaufen. Flüchtlingssozialarbeit darf Fluchtursachen und -umstände nicht außer Acht lassen, weil z.B. Eltern von unbegleiteten Minderjährigen darauf warten, aus dem Herkunfts- oder einem Drittstaat nachkommen zu können oder weil Grenzerfahrungen im Herkunftsland bzw. auf der Flucht das Leben in Deutschland nachhaltig erschweren. Die Flüchtlingsaufnahme sei als eine Querschnittsaufgabe einer Kommune zu definieren, die von einer zentralen Stelle aus gesteuert werden sollte (so viel Fachdienst wie nötig, aber auch so viel Regeldienst wie möglich). (Grehl-Schmitt, Norbert in: ZFWB gGmbH, Tagungsdokumentation FAISA, 05.12.2015, S. 28f.)

Frau Prasad wies in ihrem Beitrag auf die Problematik der Menschenrechte hin und leitete daraus berufsethische Forderungen auf der Basis eines menschenrechtlichen Mandats der Sozialen Arbeit ab. Exemplarisch verwies sie dabei auf diesen Normen entsprechende Standards bei der Unterbringung, der Integration in Arbeit sowie auf die Vorgaben der Kinderrechtskonvention für einen diskriminierungsfreien Zugang zur Bildung und zur medizinischen Versorgung. Nach ihrer Überzeugung müsste gewährleistet werden, dass die Flüchtlinge vom ersten Tag an angemessene Integrationsangebote erhalten.

Insgesamt lassen sich die zentralen, von den Anwesenden weitgehend geteilten Forderungen so zusammenfassen:

Qualifizierung der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten durch die Hochschulen und Weiterbildungsinstitute (hier wurde von den Teilnehmenden auch die Rolle der Studien- und Weiterbildungsangebote durch die ehs angeregt);

Netzwerke im kommunalen Bezug und Verweisungsstrukturen über Angebote zur Teilhabe im Bereich Bildung, Beratung und Arbeitsmarkt schaffen; 
Qualität der laufenden Arbeit durch geeignete Formen der Praxisreflexion (Supervision) und Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch angemessene Kriterien und Vorgaben für die Leistungsträger durch die Kostenträger herstellen und sichern;

klarere Abgrenzung der Aufgaben zwischen Hauptamt und Ehrenamt.

Die von der Evangelischen Hochschule begonnene Evaluationsforschung im Bereich der Sozialen Arbeit und der Sozialen und Medizinischen Betreuung wurde von den Anwesenden ausdrücklich begrüßt und dringend empfohlen, die dafür erforderlichen Mittel auch in Zukunft bereit zu stellen.

Die Tagungsdokumentation steht zum Download (PDF, 15MB) zur Verfügung.

Prof. Dr. Herbert Effinger, Tagungsleiter


Paar-weise. Zur Bedeutung von Paaren in der Sozialen Arbeit und Beratung, 12. Juli 2013

Fachtag zur Verabschiedung von Dr. Peter Jensen und zur Einführung des Masterstudiengangs Beratung/Counseling

Unterschiedlichste Paarkonstellationen spielen in vielen Handlungskontexten der Sozialen Arbeit und der Beratung eine oftmals unterschätzte Rolle.

Wir begreifen die Paarbeziehung als potentielle Ressource, die aber nur mit Hindernissen für den Hilfeprozess aufgeschlossen werden kann. Hindernisse könnten sein, dass die Einheit Paar in ihrem Unterstützungspotential für Lösungen von den Fachkräften noch nicht ausreichend entdeckt wurde, dass die Fachkraft sich nicht ausreichend vorbereitet fühlt, ein Fachgespräch mit einem Paar zu führen oder dass die zeitlichen und damit finanziellen Rahmenbedingungen fehlen.

Paare müssen sich kommunikativ immer wieder neu erfinden und klären, wie ihre Beziehung wirkungsvoll genutzt werden kann. Wir glauben, dass viele Paare mit Klugheit, Kraft, Konfliktfähigkeit und Ambiguitätsakzeptanz ihren Alltag bewältigen. Es kann hilfreich sein, ein fachliches Ohr an den Resonanzraum dieser Alltagskommunikation von Paaren zu legen.

Wir möchten Sie einladen, Ihre Erfahrungen mit und Ihre Fragen zu Paaren einzubringen und zu reflektieren. In den Arbeitsgruppen möchten wir aus verschiedenen Perspektiven diskutieren, in welcher Weise Potentiale der Stärke und Weisheit von Paaren - auch „Fachpaaren“ - noch wirksamer in Hilfe- und Beratungsprozessen genutzt werden können. Bei dieser Suche nach Ressourcen ist auch kritisch zu fragen, welche „Nebenwirkungen“ entstehen, wenn sich Experten in den privaten Alltag von Menschen einmischen?

Dr. phil. Peter Jensen

studierte Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Ev. Fachhochschule und an der Technischen Universität in Berlin. Seit 1995 ist er Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Evangelischen Hochschule Dresden. Seine Schwerpunkte in der Lehre sind Methoden der Sozialen Arbeit, Gesprächsführung, Beratung und Arbeit mit Familien. Von 2004 bis 2005 arbeitete er im Forschungsprojekt Pro Alphabetisierung. Neben-beruflich ist er als Supervisor (DGSv), Familientherapeut (SG, DGSF) und Paartherapeut sowie als Ausbilder von Familien-therapeuten tätig.

Das komplette Tagungsprogramm und weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Info-Flyer zum Fachtag

Frauen und Männer gestalten Kita gemeinsam - Die Entscheidung zur Zukunft der Kindertageseinrichtungen, 28. Juni 2013

Die Zahl der männlichen Erzieher in sächsischen Kitas steigt. Diese Entwicklung wird sich künftig noch fortsetzen und bietet dem Lernort Kita viele Chancen, aber auch neue Anforderungen.

Der Fachtag „Frauen und Männer gestalten Kita gemeinsam“ nimmt diese Tendenzen auf und stellt Ihnen komprimiert, kompetent und kurzweilig die aktuellen Ergebnisse aus Forschung und Praxis vor. Workshops ergänzen die Vorträge unserer renommierten Referent/-innen.

Wir laden Sie herzlich ein sich am 28. Juni 2013 in Dresden diesem zukunftsorientierten Dialog zu beteiligen und die Potentiale des Themas für das eigene Handeln zu entdecken.

Wann: Freitag, 28. Juni 2013, 09.00 – 16.30 Uhr

Wo: Evangelische Hochschule Dresden (ehs)

Mit den Referenten: Prof. Dr. Holger Brandes, Dr. Tim Rohrmann, Reinhard Kahl

Der Fachtag wird veranstaltet vom sächsischen Modellprojekt „Männer in Kitas“ des PARITÄTISCHEN Sachsen und dem Bündnispartner Volkssolida¬rität Westerzgebirge e.V. in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus.

Programm und weitere Informationen

2. Pflegefachtag der Evangelischen Hochschule Dresden, 22.Mai 2013

„Lebensqualität trotz schwerer körperlicher Einschränkungen“ war ein herausragendes Thema beim zweiten Pflegefachtag der Evangelischen Hochschule am 22. Mai 2013. Karl-Heinz Pantke schilderte eindrucksvoll seine Sicht auf das Leben nach einem Schlaganfall mit Locked-In-Syndrom. In einem spannenden Vortrag machte er für die vielen anwesenden Fachkräfte, Studierenden und Auszubildenden aus der Pflege begreifbar, welche Möglichkeiten ein Leben mit einer gesundheitlichen Einschränkung bieten kann. Er warnte zudem davor, leichtfertig „Patientenverfügungen“ auszustellen, die lebenserhaltende intensivmedizinische Maßnahmen verbieten, da sie zum Beispiel ihm und vielen anderen Locked-In-Betroffenen überhaupt erst das Überleben ermöglicht haben.

Der Pflegefachtag widmete sich aber auch weiteren Themen: Wie man Betroffene mit Delir erkennt, welche pflegerischen Strategien für den Umgang mit ihnen es gibt und wie Deliren entgegen gewirkt werden kann, waren die Themen von Rüdiger Noelle (FH der Diakonie, Bielefeld). Prof. Renate Tewes (Evangelische Hochschule Dresden) verdeutlichte nicht nur, welche dramatischen Folgen eine demotivierende Arbeitssituation haben kann, sondern zeigte auch Wege auf, wie Führungskräfte in der Pflege die Motivation der Beschäftigten fördern können. In Workshops wurden diese und andere Themen intensiv zwischen BesucherInnen und ReferentInnen diskutiert und Vorschläge auf ihre Praxistauglichkeit hin untersucht. Workshops zum Schmerzmanagement oder zur Qualitätsentwicklung in stationären Pflegeeinrichtungen rundeten den Tag ab. Besonders gut besucht war auch ein Workshop zu Berufsperspektiven in der Pflege, der vom Career Service der Evangelischen Hochschule (gefördert mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds) angeboten wurde.

Tagungsprogramm und weitere Informationen

Bei den Teilnehmenden fand der Pflegefachtag eine ausgesprochen positive Resonanz. Fast alle gaben an, dass sie den Pflegefachtag der ehs weiter empfehlen werden.

Daher freuen wir uns schon jetzt auf den 3. Pflegefachtag der Evangelischen Hochschule Dresden. Dieser wird am 3. Juni 2014 stattfinden. Ein Schwerpunktthema wird dabei der neue Expertenstandard zum Management von chronischen Schmerzen in der Pflege sein, der bis dahin erschienen sein wird. Prof. Thomas Fischer (ehs), Mitglied der Expertengruppe, die den Standard erarbeitet hat, wird sich den praktischen Aspekten aus dem neuen Standard widmen.