sofí - Jahresbericht 2015

Institutsleiterin Prof. Beate Naake blickt auf ein inhaltlich buntes und vielfältiges Weiterbildungsjahr zurück

In nunmehr bewährter Tradition hat sofi wieder Fachtage sowie Fort- und Weiterbildungen für im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen tätige Personen angeboten. Einem Beschluss der Geschäftsleitung folgend, waren die Offerten an langfristigen Weiterbildungen für 2015 ausgebaut worden. 

So startete die in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus angebotene zertifizierte Weiterbildung Sozialpsychiatrische und Sozialtherapeutische Fachkraft in der Arbeit mit Familien erstmalig in diesem Frühjahr. Psychische Erkrankungen nehmen zu und stellen für Kinder, deren Mütter bzw. Väter betroffen sind, ein erhebliches Entwicklungsrisiko dar. Mitunter sind Familien mit psychisch kranken Eltern auf ambulante und stationäre Erziehungshilfe angewiesen. Die beteiligten Fachkräfte sind aber vielmals überfordert, die Bedeutung der jeweiligen Krankheit und die Versorgung,  Betreuung, Beziehungsgestaltung und die Erziehung der Kinder von psychisch kranken Eltern richtig einschätzen zu können. Für die Fachkräfte stellt es zusätzliche Herausforderungen dar, dass die aktuell höchstrichterliche Rechtsprechung nochmals bekräftigt hat, dass eine psychische Erkrankung eines Sorgeberechtigten nicht per se eine Kindeswohlgefährdung bedeutet. Fachkräfte sind verunsichert, ob angebotene Jugendhilfemaßnahmen ausreichend und vor allem kindgerecht sind. Auch Fachkräfte in erwachsenenpsychiatrischen Einrichtungen sind mit der Frage konfrontiert, wie betroffene Eltern bei der Bewältigung der elterlichen Aufgaben gestärkt und unterstützt werden können. Es bedarf strukturierter multiprofessioneller Angebote, die eine Kooperation der Beteiligten der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens erfordern. Fachkräfte benötigen vertiefte Kenntnisse in  medizinischer, psychischer, rechtlicher und sozialpädagogischer Hinsicht, um interdisziplinäre Lösungsstrategien entwickeln zu können. In sieben zweitägigen Modulen werden unter anderem psychische Krankheitsbilder, rechtliche Grundlagen der Helfersysteme, Fallberatungen, Interventionen und Beratungen thematisiert, um die Teilnehmenden weiter zu befähigen, die notwendigen interdisziplinären Lösungsstrategien zu entwickeln. 

Weiterhin bereicherte die Inklusive Ausbildung zum / zur Moderator_In in Persönlicher Zukunftsplanung das diesjährige sofi-Programm. Persönliche Zukunftsplanung ist ein umfangreiches Handlungskonzept, das seinen Ursprung in den USA und den dortigen Empowerment-Bewegungen von Menschen mit Behinderung und deren Unterstützern hat. Seit zirka 30 Jahren wurden die zahlreichen Methoden stetig weiterentwickelt und fanden allmählich Einzug in verschiedene Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. In Deutschland hat sich die Persönliche Zukunftsplanung im Bereich der Behindertenhilfe etabliert. Besonders erwähnenswert ist, dass sich diese Weiterbildung an behinderte und nichtbehinderte Menschen richtet und es tatsächlich eine inklusive Weiterbildung gab, also auch Menschen mit Beeinträchtigungen teilgenommen haben.  In sechs zweitägigen Veranstaltungsblöcken wurden u. a. die Methoden Personenzentriertes Denken vorgestellt und in die graphische Moderation eingeführt, wobei besonders die graphische Methode für behinderte Teilnehmer_Innen gut anwendbar war. Veranstaltungstexte wurden in „einfacher“ und „normaler“ Sprache formuliert, um auch behinderten Menschen die Teilnahme an der Weiterbildung zu ermöglichen.

Außerdem startete mit der „Existenzanalytische Beratung / Logotherapie“ ein weiteres dreijähriges Weiterbildungsangebot. Die Existenzanalyse ist zu einem psychotherapeutischen Verfahren weiterentwickelt worden, das zur Richtung der Humanistischen Psychotherapie gehört. Die Methode gewährt Menschen, die in einer existenziellen Krise sind, Hilfestellung und weist damit, eine breite Anwendungsmöglichkeit im psychosozialen und pädagogischen Bereich. Einige der Weiterbildungsteilnehmer_innen arbeiten auch mit geflüchteten Menschen und möchten diese Methode in die tägliche Arbeit mit dieser Personengruppe einfließen lassen. 

Neben diesen neuen Weiterbildungen hat sofi auch die in der Vergangenheit gut nachgefragten Angebote wie Case Management, Systemische Beratung, Personzentrierte Gesprächsführung, Video-Home-Training, Sozialtherapeuthisches Rollenspiel und die berufsbegleitende Weiterbildung auf dem Gebiet der Kindheitspädagogik angeboten. 

Neben den langfristigen Weiterbildungen fanden sich im sofi-Programm des vergangenen Jahres auch wieder zahlreiche ein- und zweitägige Veranstaltungen. Themen rund um Kommunikation, Beratung, Selbstreflexion und Stressreduktion, waren ebenso Gegenstand von Fortbildungen, wir rechtliche Fragestellungen, die sich  so unterschiedlichen Gebieten wie Wohngeldrecht, Umgangsrecht und elterliche Sorge und Fördermittelrecht widmeten. Besondere Angebote richteten sich jeweils an die Fachkräfte, die im frühkindlichen Bereich, der Pflege oder der Sozialen Arbeit tätig sind. 

Ende Mai richtete sofi den 4. Pflegefachtag aus, der sich aktuellen Fragen der Pflege wie Demenzfreundliches Krankenhaus, Inhalt und Umsetzung von Expertenstandards, haftungsrechtlichen Problemen und der Vermeidung von Fixierung sowie berufsrechtlichen Fragen widmete. Der  Fachtag ist mittlerweile ein Forum geworden, auf dem sich Pflegefachkräfte aus der Region Sachsen kontinuierlich über aktuelle Probleme und Neuerungen austauschen. 

Anfang November fand der von etwa 100 Teilnehmern besuchte Fachtag „Teams in Kindertageseinrichtungen- einer Kultur auf der Spur“ statt, der aus den Projekten WohlfühlenWahrnehmenWachsen – Entwicklung und Implementierung eines Qualitätsmonitoring in Dresdner Kindertageseinrichtungen für unter Dreijährige und PRAWIMA-Offene Hochschulen entwickelt wurde, statt. Der Fachvortag von Frau Iris Nentwig-Gesemann, der sich dem Thema „Frühpädagogik im Spannungsfeld zwischen Professionalisierungsanspruch und Alltagswirklichkeit“ widmete, führte in das Themenfeld ein und wurde in sich daran anschließenden Workshops fokussiert bearbeitet. So wurden die videobasierte Interaktionsanalyse als Methode der professionellen Handlungspraxis beleuchtet, Organisationskulturen beobachtet und gemeinsam entwickelt und Lösungen aufgezeigt, wie man die Vielzahl der Leitungsaufgaben erfolgreich managen kann. Daneben spielte auch die Vielfalt in Teams eine Rolle und es wurde diskutiert, wie Alter, Geschlecht und Herkunft Herausforderungen aber auch Chancen sind.

Anfang Dezember fand der Fachtag „Flucht, Asyl, Integration und Soziale Arbeit in Sachsen“ FAISA  statt. Es nahmen etwa 170 Fach- und Führungskräfte  aus den Bereichen der Flüchtlingssozialarbeit, der sozialen Betreuung, der Leitungsebene freier Träger, Migrantenorganisationen, Ministerien und Behörden teil. Die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Frau Petra Köpping, eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort. 
Der Fachtag sollte zum einen Vernetzungsmöglichkeiten und eine Plattform für den Fachaustausch bieten und andererseits sofi ermöglichen, besonderen Weiterbildungsbedarf zu ermitteln, um für die nachfragende Praxis passgenaue Fort- und Weiterbildungsangebote erstellen zu können. Der einleitende Vortag zur „Flüchtlingssozialarbeit im Spannungsfeld zwischen Philanthropie und Recht“ und der abschließende Vortrag „Soziale Arbeit im Rahmen restriktiver Asylpolitik. Herausforderungen für eine Profession, die Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und Menschenrechtsarbeit oft ignoriert“ umrahmten die Tagesveranstaltung. 
Um den spezifischen Gegebenheiten vor Ort besser Rechnung tragen zu können und auch eine bessere Kooperation und Vernetzung der Akteure zu ermöglichen, wurde der Fachtag in Regionalforen fortgesetzt.  In den Foren der Orte Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau diskutierten die interessierten Teilnehmer den jeweiligen Sachstand der Sozialen Betreuung vor Ort, der regionalen Flüchtlingssozialarbeit und benannten weitere zu entwickelnde Arbeitsbereiche. Bereits bestehende Angebote wie Sprachkurse wurden vergleichend diskutiert. Eruiert wurden die weiteren  Handlungsmöglichkeiten und -Notwendigkeiten in den Bereichen Arbeitsmarktzugang, Zusammenarbeit und Qualifizierung Ehrenamtlicher, die Standards der hauptamtlichen Betreuung Geflüchteter, die Unterbringung und Begleitung minderjähriger (unbegleiteter) Asylsuchender und letztendlich die Vernetzung verschiedener Akteure in den Regionen. Der Fachtag ermöglichte einen vertieften Austausch darüber, welche Angebote es vor Ort bereits gibt und eröffnete die Möglichkeit in Austausch darüber zu treten, was die Vor- und Nachteile der jeweiligen Offerten sind und wie sie gegebenenfalls verbessert werden können. 
FAISA setzte dann mit verschiedenen Fachforen fort, die die Themen Ausbildung, Arbeit und Beschäftigung; Unbegleitete minderjährige Geflüchtete; Vernetzung und Case Management; Qualitätsentwicklung, Kompetenzen und Standards der Flüchtlingssozialarbeit; Integration im Sozialraum – Gemeinwesenarbeit und Umgang mit Traumatisierungen in der Flüchtlingssozialarbeit zum Gegenstand hatten und jeweils mit fachforenbezogenen wissensvermittelnden Vorträgen starteten und anschließend einen regen Austausch der Teilnehmer_innen über Erfahrungen ermöglichte. Diese Diskussionen wurden durchgängig als sehr fruchtbar empfunden, weil die Teilnehmer_innen für manche Schwierigkeiten, die vor Ort auftreten, Lösungswege aufgezeigt bekamen, weil andere Sozialarbeiter_innen in der Vergangenheit mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert waren und bereits Bewältigungsansätze entwickelt und erprobt hatten.  

Die Fachtagung war insgesamt sehr erfolgreich. Aus den zahlreichen Evaluierungsbögen konnte sofi entnehmen, dass sich für die Teilnehmer_innen die mit der Tagung verbundenen Erwartungen mehr als erfüllt haben. sofi hat einen genaueren Einblick in die Bedarfe der Fachkräfte, was uns ermöglicht, weiterhin passende Angebote zu erstellen.  

Prof. Beate Naake, Institutsleiterin sofí

Der Bericht wurde im Jahrbuch 2015 der ehs Dresden veröffentlicht.

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